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Der letzte Versuch

Potsdamerin Susann Kasper krault noch einmal für Olympia

Autor
Jens Trommer
 
Datum
31/03/2004
 
Quelle
Märkische Allgemeine
 
Stichworte
susann kasper
schwimmen

Schwimmen. Susann Kasper weiß nicht ganz genau zu sagen, der wievielte Startsprung zur großen Karriere es nun ist. Eines weiß die 22-jährige Freistilschwimmerin vom OSC Potsdam, die einst Junioren-Europameisterin war, dann aber durch eine kaputte Bandscheibe, einen lädierten Ellenbogen und Problemen mit den Ohren in ihrem sportlichen Anlauf gebremst wurde, jedoch ganz genau: “Es ist der letzte Versuch. Entweder, ich schaffe in diesem Jahr den Sprung zu den Olympischen Spielen, oder ich höre auf.”

In diesen Tagen sieht es jedoch so aus, als könnte die Sache klappen. Susann Kasper, die 1994 aus Finsterwalde in den Luftschiffhafen gekommen ist, schwamm Mitte März zwei Bestzeiten, mit denen sie durchaus Finalchancen bei den deutschen Meisterschaften besitzt: Über 200 Meter Kraul, ihrer Paradedisziplin, schlug sie bei einem Meeting in Berlin nach guten 2:01,82 Minuten an, über 100 m waren es 56,64 Sekunden.

Es wäre ein Erfolg, den ihr im Luftschiffhafen kaum noch jemand zugetraut hätte - mit Ausnahme von Uwe Gerwien. Der 43-Jährige, der Susann seit 1999 mit Unterbrechungen trainiert hatte und der heute als Schwimmmeister arbeitet, versprach seinem Schützling einmal: “Susi, WM und Olympia sind unser Ziel, dafür arbeiten wir.” Im März 2003, nach mancher Enttäuschung im Becken, erinnerte sich Susann an den Spruch ihres Ex-Trainers und sie fragte Gerwien, ob er noch einen gemeinsamen Anlauf wagen würde. Er sagte ja.

Und im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen Susann immer wieder von Missgeschicken heimgesucht worden war, kam die Sportlerin erstmals unfallfrei durch den Winter. “Wir haben uns gesagt, wir setzen noch einmal alles auf eine Karte und versuchen trotz Ausbildung, dieses Jahr positiv abzuschließen. Unser Ziel ist die Teilnahme an der langen Freistilstaffel in Athen”, erzählt Gerwien.

Will Susann, die in Potsdam im sechsten Semester Sozialarbeit/Sozialpädagogik studiert, in diese 4mal-200-m-Freistilstaffel, muss sie im Juni bei den nationalen Titelkämpfen in Berlin mindestens Vierte werden. Und das gegen Kontrahentinnen wie Europameisterin und Weltrekordinhaberin Franziska van Almsick, die Sportlerin des Jahres Hannah Stockbauer oder Britta Steffen, die über die Stationen Schwedt und Potsdam mittlerweile im Almsick-Club SG Neukölln angekommen ist.

Und was van Almsick und Steffen drauf haben, zeigten sie am Wochenende beim 6. Internationalen Titze-Cup in Berlin. Die 21 Jahre alte Steffen kraulte die 200 Meter in exzellenten 1:59,26 min und schlug damit sogar van Almsick (25), die immerhin 1:59,64 min schwamm. Für Susann Kasper kein Problem, was in der egoistischen Welt des Hochleistungssports eher ungewöhnlich ist: “Ich bin mit Britta sehr gut befreundet, wir wollen gemeinsam nach Athen.”

Um dies zu schaffen, wird die Potsdamerin sogar ihre “Höhenangst” überwinden und in den nächsten Tagen mit ihrer Vereinsgefährtin Jana Henke ein Trainingslager in Mexiko City beziehen. Danach will sich Susann im Luftschiffhafen den letzten Schliff für den Olympia-Ausscheid in Berlin holen. Und vielleicht klappt es Anfang Juni wirklich mit dem Olympia-Ticket. Wenn nicht, den Versuch war es allemal wert.



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